Der Patientenzuweisungscode (PZC) beschreibt einen Notfallpatienten in sechs Ziffern und entscheidet darüber, welches Krankenhaus den Patienten aufnimmt. Dieser Artikel beschreibt die Konfiguration im Administrationsbereich einer Leitstelle. Wie der PZC in der Sitzung von Fahrzeugen übermittelt und von Disponenten zugewiesen wird, beschreibt der Artikel PZC-System: Krankenhauszuweisung in der Sitzung.
Alle PZC-Einstellungen werden ausschließlich im Administrationsbereich einer Leitstelle gepflegt. In der Sitzung werden sie nicht verändert, sondern lediglich ausgewertet.
Hinweis: Eine Sitzung ist ein Abbild der Leitstelle zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Änderungen an Fachabteilungen, Kapazitäten oder PZC-Zuordnungen wirken sich erst auf neu erstellte Sitzungen bzw. nach der Neuinitialisierung einer verwalteten Sitzung aus (siehe Sitzungen in SIM Dispatcher).
Aufbau des PZC
Ein PZC besteht aus sechs Ziffern in drei Teilen:
Stellen | Bedeutung | Beispiel |
1–3 | Rückmeldeindikation: Erkrankung bzw. Verletzung (100–999) |
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4–5 | Alter des Patienten in Jahren (00–99) |
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6 | Dringlichkeit (1–3) |
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Dringlichkeiten
Stufe | Farbe | Bedeutung |
1 | rot | Sofortige Intervention |
2 | gelb | Stationäre Aufnahme wahrscheinlich |
3 | grün | Ambulante Behandlung ausreichend |
Nicht jede Rückmeldeindikation unterstützt jede Dringlichkeit. Eine laufende Reanimation (131) gibt es beispielsweise nur mit Dringlichkeit 1.
Der PZC-Katalog
Die gültigen Rückmeldeindikationen sind systemseitig im PZC-Katalog hinterlegt. Er orientiert sich an der gängigen Rückmeldeindikationsliste und ist in Gruppen gegliedert, etwa:
13x Reanimation, 14x ECMO
2xx Verletzungen / Unfälle (z. B. 21x Mehrfach, 22x Gesicht / Kopf, 23x Thorax)
3xx Erkrankungen (z. B. 31x Atmung / Lunge, 33x Brustschmerz, 34x Herz - Kreislauf)
4xx spezielle Erkrankung / Verletzung (Neurologie, Psychiatrie)
51x Pädiatrisch, 52x–55x Schwangerschaft / Geburtshilfe
60x–80x sonstige Einsätze, Fachgebiete und Allgemeinmedizin
Der Katalog ist für alle Leitstellen gleich und kann nicht pro Leitstelle erweitert werden. Pro Leitstelle wird festgelegt, welches Krankenhaus welche Rückmeldeindikation in welcher Fachabteilung und mit welcher Dringlichkeit aufnimmt.
Voraussetzungen
Krankenhäuser sind als POI der Kategorie Krankenhaus angelegt. Eine Leitstelle benötigt mindestens drei Krankenhäuser, sonst meldet die Validierung der Leitstelle ein Problem. Für Hubschrauber, die nicht direkt am Krankenhaus landen, sind Landeplätze als POI der Kategorie Hubschrauberlandeplatz (HLZ) angelegt (optional).
Fachabteilungen am Krankenhaus
Auf der Bearbeitungsseite eines Krankenhaus-POI werden unter Krankenhausabteilungen die Fachabteilungen des Hauses gepflegt. Jede Fachabteilung kann zusätzlich folgende Einstellungen erhalten:
Feld | Beschreibung |
Fachabteilung | Die Art der Abteilung, z. B. Notaufnahme, Schockraum, Kardiologie. |
Bezeichnung | Optionaler Name der Abteilung oder Station, z. B. „Station 3B" (max. 250 Zeichen). |
Zufahrt / Eingang | Optionaler Punkt, den Fahrzeuge für diese Abteilung anfahren, wenn er von den Koordinaten des Krankenhauses abweicht. Wird über Auf Karte setzen gewählt und über Zufahrt entfernen zurückgesetzt. |
Hubschrauberlandeplatz | Optionaler POI der Kategorie Hubschrauberlandeplatz für diese Abteilung (z. B. ein Dachlandeplatz). Hat Vorrang vor dem Landeplatz des Krankenhauses. |
Kapazität (Patienten gleichzeitig) | Wie viele Patienten die Abteilung gleichzeitig behandeln kann (1–9999). |
Alle Einstellungen sind optional. Ohne Kapazität gilt der Standardwert der Abteilung, ohne Zufahrt die Koordinaten des Krankenhauses.
Hinweis: Ein Krankenhaus mit der Eigenschaft Maximalversorgung hat automatisch alle Fachabteilungen. Hinterlegen Sie dort nur die Abteilungen, deren Einstellungen vom Standard abweichen.
Standardkapazitäten
Ist keine Kapazität hinterlegt, rechnet die Simulation mit folgenden Werten (entspricht etwa einem Haus der Regelversorgung):
Fachabteilung | Patienten gleichzeitig |
Notaufnahme | 20 |
Unfallchirurgie, Kardiologie | 6 |
Pädiatrie | 5 |
Augenheilkunde, Chirurgische Intensiv, Innere Intensiv, Gynäkologie, Neurologie, Stroke Unit, Onkologie, Psychiatrie, Urologie | 4 |
Herzkatheterlabor, Dermatologie, Gefäßchirurgie, HNO, Kreißsaal, Neurochirurgie | 3 |
Brandbett, CT, MKG, Schockraum, Nuklearmedizin | 2 |
Druckkammer, MRT | 1 |
Hubschrauberlandeplätze
Ein Hubschrauberlandeplatz kann am Krankenhaus-POI (gilt für alle Abteilungen) oder an einer einzelnen Fachabteilung hinterlegt werden. Liegt der Landeplatz mehr als 500 m von der Zufahrt der Abteilung entfernt (z. B. an einem Flugplatz), fordert der Hubschrauber in der Sitzung einen Bodentransport vom Landeplatz zum Krankenhaus an.
Die Seite „PZC"
Die Zuordnung der Krankenhäuser erfolgt im Administrationsbereich der Leitstelle unter dem Menüpunkt PZC.
Die Seite listet alle Rückmeldeindikationen des Katalogs, gruppiert nach den oben genannten Gruppen. Jede Zeile zeigt:
drei Farbpunkte (rot, gelb, grün): ein ausgefüllter Punkt bedeutet, dass die Rückmeldeindikation diese Dringlichkeit unterstützt, ein durchgestrichener, dass nicht,
die Bezeichnung und rechts den dreistelligen Code.
Ein Klick auf eine Zeile klappt die Liste aller Krankenhäuser der Leitstelle auf:
Spalte | Beschreibung |
Name | Name und Adresse des Krankenhauses. |
Zuweisbar | Die Fachabteilung, in der das Krankenhaus Patienten mit dieser Rückmeldeindikation aufnimmt, oder Nicht zuweisbar. Zur Auswahl stehen die Fachabteilungen des Krankenhauses (bei Maximalversorgung alle). |
Zuweisbare Dringlichkeiten | Die Dringlichkeiten, mit denen das Krankenhaus Patienten aufnimmt. Es werden nur die Dringlichkeiten angeboten, die die Rückmeldeindikation unterstützt. |
Jede Änderung wird sofort gespeichert, eine Schaltfläche zum Speichern gibt es nicht.
Regeln der Zuordnung
Eine Fachabteilung pro Krankenhaus und Rückmeldeindikation: Ein Krankenhaus nimmt eine Rückmeldeindikation in genau einer Fachabteilung auf.
Standardmäßig alle Dringlichkeiten: Wird einem Krankenhaus eine Fachabteilung zugeordnet, nimmt es zunächst alle unterstützten Dringlichkeiten auf. Einzelne Dringlichkeiten lassen sich abwählen.
Mindestens eine Dringlichkeit: Solange eine Fachabteilung gewählt ist, bleibt mindestens eine Dringlichkeit ausgewählt. Soll das Krankenhaus die Rückmeldeindikation gar nicht aufnehmen, wählen Sie Nicht zuweisbar.
Zurücksetzen: Mit Nicht zuweisbar wird auch die Auswahl der Dringlichkeiten verworfen. Eine spätere neue Zuordnung beginnt wieder mit allen Dringlichkeiten.
Beispiel: Für 232 (Thorax geschlossen / stumpf) nimmt das Klinikum der Maximalversorgung alle Dringlichkeiten im Schockraum auf, das kleinere Kreiskrankenhaus nur Dringlichkeit 3 (grün) in der Notaufnahme. Ein Patient mit 232183 kann dann beiden Häusern zugewiesen werden, ein Patient mit 232451 nur dem Klinikum.
Auswirkung in der Sitzung
Die PZC-Zuordnungen steuern in der Sitzung zwei Dinge.
Krankenhauszuweisung durch den Disponenten
Im Reiter Krankenhäuser der Statusübersicht weist der Disponent Patienten mit einem Zuweisungsformular einem Krankenhaus zu. Dabei gilt:
Mit einem PZC werden nur die Krankenhäuser angezeigt, die diesen PZC mit dieser Dringlichkeit aufnehmen, jeweils mit der zugeordneten Fachabteilung und deren Belegung.
Ohne PZC zeigt der Reiter alle Krankenhäuser mit den Fachabteilungen, denen mindestens eine Rückmeldeindikation zugeordnet ist. Abteilungen ohne Zuordnung erhalten nie eine Zuweisung und werden ausgeblendet.
Ein Krankenhaus, das den PZC nicht aufnimmt, lehnt die Zuweisung ab.
Wichtig: Ohne PZC-Zuordnungen nimmt kein Krankenhaus eine Zuweisung an. Für die Krankenhauszuweisung in der Sitzung müssen die Zuordnungen gepflegt sein.
Die Belegung der Abteilungen ergibt sich aus der hinterlegten Kapazität (bzw. dem Standardwert).
Vorauswahl des Krankenhauses durch die Fahrzeuge
Je nach PZC-Modus der Sitzung wählen die Fahrzeuge selbst ein Krankenhaus vor. Welches, steuert die Leitstellenoption Transportziel nach PZC-Zuordnung der Kliniken:
Option | Gewähltes Krankenhaus |
aktiviert | Das nächstgelegene Krankenhaus, das den PZC mit dieser Dringlichkeit laut PZC-Zuordnung aufnimmt. |
deaktiviert, oder kein Krankenhaus nimmt den PZC auf | Das nächstgelegene Krankenhaus, das die Mindest-Fachabteilungen der Rückmeldeindikation hat. |
kein Krankenhaus hat diese Fachabteilungen | Das nächstgelegene Krankenhaus überhaupt. |
Die Mindest-Fachabteilungen sind systemseitig pro Rückmeldeindikation hinterlegt und bewusst knapp gehalten, damit nicht jeder Patient im Maximalversorger landet. Beispiele:
Rückmeldeindikation | Mindest-Fachabteilungen |
| Notaufnahme, Innere Intensiv |
| Schockraum, Unfallchirurgie, Neurochirurgie |
| Notaufnahme, Unfallchirurgie |
| Herzkatheterlabor |
| Druckkammer |
Hinweis: Die Vorauswahl der Fahrzeuge berücksichtigt die Entfernung, nicht die aktuelle Belegung des Krankenhauses. Ob das Krankenhaus einen Platz frei hat, zeigt erst die Zuweisung im Reiter Krankenhäuser.
Anfahrt
Weist der Disponent eine Fachabteilung zu, fahren bodengebundene Fahrzeuge deren Zufahrt / Eingang an, Hubschrauber landen auf dem hinterlegten Hubschrauberlandeplatz.
Weitere Einstellungen
Einstellung | Ort | Wirkung |
Transportziel nach PZC-Zuordnung der Kliniken | Leitstellenoptionen | Siehe oben: Vorauswahl der Fahrzeuge nach PZC-Zuordnung statt nach Mindest-Fachabteilungen. |
Simulation mit leeren Kliniken starten (keine eigenen Patienten nach Tageszeit) | Leitstellenoptionen | Ist die Option deaktiviert (Standard), sind die Krankenhäuser beim Start der Simulation bereits mit eigenen Patienten (Selbsteinweiser, stationäre und elektive Patienten) belegt, abhängig von Tageszeit, Wochentag und Jahreszeit. Diese werden nach und nach entlassen. Ist die Option aktiviert, belegen nur die Zuweisungen der Leitstelle die Krankenhäuser. |
Ist mit GPS ausgestattet | Stammdaten der Ressource | Fahrzeuge mit GPS übermitteln den PZC digital. Fahrzeuge ohne GPS melden den PZC mündlich über Funk oder Telefon und fahren nur ein Ziel an, das ihnen der Disponent durchgibt. |
Möglichkeiten und Grenzen
Was ist möglich?
Abgestufte Versorgung abbilden: Über die Dringlichkeiten lassen sich leichte Fälle (grün) auf kleinere Häuser und schwere Fälle (rot) auf Zentren verteilen.
Unterschiedliche Abteilungen je Krankenhaus: Dieselbe Rückmeldeindikation kann im einen Haus in der Notaufnahme, im anderen in einer Fachabteilung aufgenommen werden.
Realistische Kapazitäten: Pro Fachabteilung kann eine eigene Kapazität von 1 bis 9999 Patienten hinterlegt werden.
Abweichende Zufahrten und Landeplätze: Pro Fachabteilung können eine eigene Zufahrt und ein eigener Hubschrauberlandeplatz gesetzt werden.
Was ist nicht möglich / Grenzen?
Kein eigener Katalog: Rückmeldeindikationen können nicht ergänzt, umbenannt oder entfernt werden.
Nur eine Fachabteilung pro Rückmeldeindikation und Krankenhaus.
Keine Zeitfenster: Eine Zuordnung gilt rund um die Uhr. Aufnahmestopps oder Dienstzeiten lassen sich nicht hinterlegen.
Pauschale Behandlungsdauer: Die Simulation belegt einen Platz derzeit pauschal für 120 Minuten (rot), 90 Minuten (gelb) bzw. 60 Minuten (grün). Diese Werte sind nicht konfigurierbar.
Keine Wirkung auf laufende Sitzungen: Änderungen gelten erst für neue bzw. neu initialisierte Sitzungen.
Best Practices
Mit der Notaufnahme beginnen: Die meisten Rückmeldeindikationen landen in der Realität in der Notaufnahme. Ordnen Sie zuerst häufige Indikationen (Gruppen 3xx und 2xx) den Notaufnahmen Ihrer Krankenhäuser zu und verfeinere danach Spezialfälle (Schockraum, Herzkatheterlabor, Stroke Unit, Kreißsaal).
Jede Indikation mindestens einmal zuordnen: Eine Rückmeldeindikation ohne zuweisbares Krankenhaus kann in der Sitzung keinem Krankenhaus zugewiesen werden.
Dringlichkeiten gezielt einschränken: Nehme bei kleineren Häusern nur Dringlichkeit 2 und 3 auf, wenn schwere Fälle in Ihrem Rettungsdienstbereich in ein Zentrum gehen.
Kapazitäten realistisch setzen: Zu große Kapazitäten machen die Belegung bedeutungslos, zu kleine führen zu häufigen Ablehnungen.
Zufahrten pflegen: Liegt der Liegendkrankeneingang oder der Schockraum nicht an der Hauptadresse, setze die Zufahrt der Abteilung auf der Karte.
Option „Transportziel nach PZC-Zuordnung der Kliniken" aktivieren, sobald die Zuordnungen gepflegt sind. So wählen die Fahrzeuge dieselben Krankenhäuser vor, die auch im Reiter Krankenhäuser angeboten werden.
Ergebnis prüfen: Erstelle nach größeren Änderungen eine neue Sitzung und kontrollieren Sie im Reiter Krankenhäuser mit einigen typischen PZC, welche Krankenhäuser angeboten werden.
