Verarbeitungsreihenfolge und Priorisierung
Die Berechnung der Einsatzmittelvorschläge erfolgt streng sequenziell in drei Stufen. Jede Stufe wertet das Ergebnis der vorherigen Stufe aus, um Redundanzen zu vermeiden (Differenzberechnung).
Stufe | Bezeichnung | Fokus | Kern-Frage | Relevante Felder |
1 | Zuständigkeit | Wer ist laut Alarmplan hier verantwortlich? |
| |
2 | Technik & Menge | Fehlen noch Fahrzeugtypen oder Spezialgeräte? |
| |
3 | Medizin | Ist die Patientenversorgung (Arzt/Transport) sicher? |
|
Stufe 1: Gebiets-Zuständigkeit
Diese Stufe ermittelt Einheiten basierend auf ihrer örtlichen Zuständigkeit und taktischen Zuordnung.
Ablauf: Abgleich der
DispatchGroups(Zuständigkeits-Tags) des Einsatzstichworts mit denDispatchGroupsdes Einsatzgebiets (Area).Priorität: Höchste. Diese Einheiten bilden den Grundstock des Vorschlags.
Relevante Felder:
IKeyword.DispatchGroups,IArea.DispatchGroups,IUnit.DispatchGroups.
Stufe 2: Ausrüstungs-Bedarf
Diese Stufe stellt sicher, dass alle im Stichwort geforderten Fahrzeugtypen und Geräte in ausreichender Menge vorhanden sind.
Ablauf: Vergleich der geforderten Ausrüstungsliste mit den Inventarlisten der verfügbaren Einheiten.
Relevante Felder:
IKeyword.RequiredEquipment,IUnit.Equipments.Optionale Steuerung (Option 8 & 22): Siehe Entscheidungstabelle für System-Optionen.
Entscheidungstabelle für System-Optionen (Stufe 2)
Die Stufe 2 (Ausrüstung) ist hochgradig konfigurierbar. Je nach Einstellung verändert sich das Verhalten massiv:
Option | Status | Auswirkung auf den Vorschlag |
Option 8: Ausrüstung trotz Gebiets-Zuständigkeit prüfen | AUS | Stufe 2 wird ignoriert, wenn Stufe 1 Einheiten gefunden hat. |
Option 8: Ausrüstung trotz Gebiets-Zuständigkeit prüfen | AN | Stufe 2 prüft IMMER, ob die Mengen/Technik ausreichen. |
Option 22: Ausrüstung aus Gebiets-Zuständigkeit anrechnen | AUS | Einheiten aus Stufe 2 kommen zusätzlich zu Stufe 1 (Gefahr der Dopplung). |
Option 22: Ausrüstung aus Gebiets-Zuständigkeit anrechnen | AN | Stufe 2 nutzt zuerst das Inventar der Einheiten aus Stufe 1. |
Stufe 3: Rettungsmittel-Bedarf
Abschließende Prüfung der medizinischen Kapazitäten.
Ablauf: Summierter Bedarf an Arzt-Stufen und Transport-Kategorien abzüglich der Kapazitäten, die bereits durch Stufe 1 und 2 abgedeckt wurden.
Relevante Felder:
Keyword.DispatchAmount...(z.B.AmbulanceUrgent,Doctor),Unit.Category,Unit.DoctorOption.
Verfügbarkeitsprüfung im Vorschlagswesen
Die Verfügbarkeit einer Ressource ist die Grundvoraussetzung, um in einer der drei Logik-Stufen (Zuständigkeit, Ausrüstung, Rettungsmittel) berücksichtigt zu werden. Das System prüft dabei sowohl den technischen Status als auch die aktuelle einsatztaktische Bindung. Eine Ressource wird nur vorgeschlagen, wenn alle folgenden Punkte zutreffen:
Status: Nicht in Status 3, 4, 6 oder 7 (Status 8 ist optional über Option 4 Ressourcen Vorschlag im Status 8 steuerbar).
Dienststellung: Die Einheit ist aktuell als "im Dienst" markiert.
Bindung: Die Einheit ist nicht in einem anderen Einsatz gebunden oder für diesen reserviert.
Status-Filter (Ausschlusskriterien)
Einheiten in bestimmten Zuständen werden grundsätzlich nicht vorgeschlagen. Die Verfügbarkeit wird basierend auf dem aktuellen Status der Ressource gefiltert.
Standardmäßig nicht verfügbare Status:
Nicht einsatzbereit: Status 6 oder explizit "Außer Dienst".
Im Einsatz gebunden: Status 3 (Anfahrt), Status 4 (Einsatzstelle), Status 7 (Patientenaufnahme/Transport).
In Disposition: Einheiten, die bereits manuell oder durch einen anderen Prozess den flüchtigen Status "Disponiert" erhalten haben.
Kontextbezogene Verfügbarkeit
Das System unterscheidet, ob eine Einheit bereits für denselben Einsatz oder für Fremdeinsätze gebunden ist.
Fremdeinsatz: Einheiten, deren
CurrentOperationIdnicht mit der ID des aktuellen Einsatzes übereinstimmt, gelten als belegt.Eigen-Einsatz: Einheiten, die bereits Teil des aktuellen Einsatzes sind, werden in der Differenzberechnung der Stufen 2 und 3 als "vorhanden" gewertet, jedoch nicht erneut als "neu vorzuschlagen" markiert.
Reservierungen: Einheiten, die für einen anderen Einsatz reserviert sind, werden ignoriert.
Sonderfall: Zielort erreicht (Status 8)
Die Verfügbarkeit von Einheiten am Zielort (z. B. Krankenhaus) wird über eine globale Systemoption gesteuert. Option 4: Vorschlag im Status 8:
Deaktiviert (Standard): Einheiten im Status 8 werden als "noch gebunden" betrachtet und nicht vorgeschlagen.
Aktiviert: Einheiten im Status 8 werden wie freie Einheiten (Status 1/2) behandelt und fließen in die Berechnung ein. Dies ist besonders in Gebieten mit hoher Einsatzdichte relevant, um Einheiten bereits vor Abschluss des vorherigen Transports wieder in die Gebietsabdeckung einzubinden.
Einfluss der Verfügbarkeit auf die Logik-Stufen
Die Verfügbarkeit einer Einheit ist nicht nur ein Filter, sondern bestimmt maßgeblich, welche Alternativen das System wählt und wie der Restbedarf berechnet wird.
Einfluss auf die Gebiets-Zuständigkeit (Stufe 1)
In dieser Stufe steuert die Verfügbarkeit die Auswahl innerhalb von Alternativ-Gruppen (Oder-Verknüpfungen).
Logik: Wenn das System ein Fahrzeug aus einer Gruppe (z. B.
(HLF-1; HLF-2)) sucht, prüft es die Einheiten in der hinterlegten Reihenfolge.Auswirkung: Ist die Primär-Einheit (
HLF-1) nicht verfügbar (z. B. Status 3 oder 6), überspringt das System diese sofort und prüft die Verfügbarkeit der nächsten Einheit (HLF-2).Ergebnis: Nur die erste als verfügbar befundene Einheit wird in die Liste der "vorgeschlagenen Einheiten" aufgenommen. Sind alle Einheiten einer Gruppe nicht verfügbar, bleibt dieser Teil der Gebiets-Logik unerfüllt.
Einfluss auf Ausrüstungs-Bedarf (Stufe 2)
Hier beeinflusst die Verfügbarkeit die Bedarfsdeckung und die Zusatz-Alarmierung.
Vorfilterung: Bevor die Ausrüstungs-Logik berechnet, welche Einheit ein fehlendes Gerät (z. B. "Boot") bringen soll, werden alle nicht verfügbaren Einheiten aus der Suche entfernt.
Zusammenspiel mit Option 22: Wenn Option 22 aktiviert ist, prüft das System das Inventar der Einheiten aus Stufe 1.
Wichtig: Nur Einheiten, die in Stufe 1 als verfügbar eingestuft wurden, können ihre Ausrüstung auf den Gesamtbedarf anrechnen.
Restbedarf: Wenn die verfügbaren Einheiten aus Stufe 1 die geforderte Ausrüstung nicht abdecken, sucht das System im gesamten Fahrzeugpool nach der nächsten verfügbaren Einheit mit der entsprechenden Beladung.
Einfluss auf Medizinischer-Bedarf (Stufe 3)
In der medizinischen Stufe dient die Verfügbarkeit zur Sicherstellung der Versorgungsgarantie.
Anrechnung: Medizinische Kapazitäten (z. B. Notarzt-Stufe) werden nur von Einheiten angerechnet, die in den vorherigen Schritten als verfügbar identifiziert wurden.
Nachforderung: Besteht nach den ersten zwei Stufen noch ein medizinischer Bedarf (z. B. 1x Notarzt fehlt), filtert das System alle Rettungsmittel nach Status und Dienststellung.
Auswahl: Es wird das räumlich nächste Rettungsmittel vorgeschlagen, das zum Zeitpunkt der Berechnung verfügbar ist (unter Berücksichtigung von Status 8, falls Option 4 aktiv ist).
Hinweise für die Systempflege
Für Administratoren, die ResQueServe neu einführen oder grundlegende Änderungen am Alarmplan vornehmen, gilt die Empfehlung: Die Systempflege sollte "rückwärts" erfolgen – beginnend bei Stufe 3.
Verwenden Sie Stufe 1 für die strategische Verteilung (Wer soll primär fahren?).
Verwenden Sie Stufe 2 für die technische Absicherung (Was muss mindestens vor Ort sein?).
Verwenden Sie Stufe 3 für die medizinische Mindestversorgung.
Warum nicht bei Stufe 1 (Gebiets-Zuständigkeit) anfangen?
Die Gebiets-Logik ist die komplexeste Ebene, da sie individuelle Tags und lokale Zuständigkeiten verknüpft. Wer hier beginnt, baut ein starres Gerüst auf, ohne dass die zugrundeliegenden Fahrzeugkategorien und Ausrüstungsmerkmale definiert sind. Dies führt oft dazu, dass die Stufen 2 und 3 später zu viele oder falsche Einheiten ergänzen, weil die Basisdaten der Fahrzeuge nicht sauber mit den Anforderungen der Stichworte korrespondieren.
Der "Bottom-Up"-Ansatz (Empfehlung)
Schritt 1: Konfiguration der Stufe 3 (Rettungsmittel-Bedarf) Beginnen Sie mit der Definition der medizinischen Versorgungslevel in den Stichworten und der Kategorisierung der Rettungsmittel.
Vorteil: Sie stellen sicher, dass die grundlegende Patientenversorgung (Notarzt, RTW) immer funktioniert, unabhängig von komplexen Feuerwehr-Alarmplänen.
Schritt 2: Konfiguration der Stufe 2 (Ausrüstungs-Bedarf) Definieren Sie nun die technischen Anforderungen und die Fahrzeugbeladung.
Vorteil: Das System lernt jetzt, welche Fahrzeuge welche taktischen Aufgaben (z. B. Drehleiter, Rüstwagen) übernehmen können. Da Stufe 3 bereits steht, erkennt das System hier schon, wenn ein Fahrzeug (z. B. ein HLF) gleichzeitig eine medizinische Anforderung erfüllt.
Schritt 3: Konfiguration der Stufe 1 (Gebiets-Zuständigkeit) Zuletzt pflegen Sie die strategischen Zuständigkeiten (DispatchGroups) und die Gebietszuweisungen der Areas.
Vorteil: Da die Stufen 2 und 3 bereits korrekt rechnen, dient Stufe 1 nur noch dazu, "Wunscheinheiten" (wer soll primär fahren?) festzulegen. Das System nutzt die bereits definierte Logik der anderen Stufen, um den Restbedarf sauber zu subtrahieren und "Überalarmierungen" von Beginn an zu vermeiden.
